Amtlicher Inhalt

Geschaeft
26.3593
Typ
Interpellation
Status
Eingereicht

Vorstosstext

Das Hilfswerk Terre des Hommes vermittelte zwischen 1964 und 1979 insgesamt 1933 Kinder an Schweizer Adoptiveltern. Gemäss einer umfangreichen Recherche des «Beobachters» wurden  diese Kinder bei Ankunft in die Schweiz ungeachtet ihres Gesundheitszustands in verschiedenen Spitälern unter Quarantäne gestellt. Diese Massnahme hätten die zuständigen Kantonsärzte anordnen müssen, was jedoch offenbar nicht der Fall war. Die Quarantänen waren folglich rechtswidrig. 

 

Während dieser Spitalaufenthalte wurden an den Kindern Untersuchungen durchgeführt, die nicht medizinisch indiziert waren, sondern Forschungszwecken dienten. Das zeigen zwei wissenschaftliche Untersuchungen: Das Forschungsprojekt Adoptionen aus Indien in den Kantonen Zürich und Thurgau (1973–2002) erwähnt, dass an den Kindern medizinische Untersuchungen durchgeführt wurden, die Teil einer pharmakologischen Testreihe waren. Solche Untersuchungen erwähnt auch ein Forschungsprojekt der ZHAW zu Auslandsadoptionen im Auftrag des Bundesrats (2024) 

 

Die Beobachter-Recherche zeigt weiter auf, dass Terre des Hommes (TdH) in Krisengebieten gezielt nach herzkranken Kindern suchte, die in der Schweiz vom Genfer Herzchirurgen Charles Hahn am offenen Herzen operiert wurden. Offenbar bestand zwischen Hahn und Edmond Kaiser (Gründer,langjähriger Leiter von TdH) eine «Partnerschaft», dank der Hahn rund 6000 herzkranke Kinder für chirurgischen Eingriffe zugeführt wurden. Immer wieder starben Kinder, mit einer Häufung von Todesfällen zwischen Juli und September 1979, als sechs Kinder starben.

 

Die geschilderten Vorgänge fügen der unrühmlichen Geschichte der Auslandsadoptionen in der Schweiz ein weiteres schockierendes Kapitel hinzu: Den Missbrauch der Kinder für medizinische und pharmakologische Versuche. 

 

 Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wie beurteilt er die geschilderten Vorgänge?
  2. Ist er bereit, weitere Forschung zu ermöglichen oder zu unterstützen, um den Missbrauch von Adoptivkindern zu Forschungszwecken aufzuarbeiten?
  3. Sieht der Bundesrat Handhabe, um den Betroffenen Einsicht in ihre Patientenakten zu ermöglichen?
  4. Welche Möglichkeiten  der Anerkennung und Wiedergutmachung sieht er für die Betroffenen?
  5. Wie beurteilt er die Aufsicht und Kontrolle durch die involvierten Kantone? 
  6. Wie beurteilt er den gesetzlichen Handlungsbedarf, damit sich solche Vorgänge künftig nicht wiederholen?

Quelle: Parlament.ch Curia Vista, automatisch importiert.