Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)»
Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)» Die Schweiz hat eines der weltweit strengsten Gesetze zum Schutz der Tiere. Würde und Wohlergehen von Tieren sind geschützt, unabhängig davon, wie viele Tiere an einem Ort gehalten werden. De...
Abstimmung vom 2022-09-25
Inhalt
Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)» Die Schweiz hat eines der weltweit strengsten Gesetze zum Schutz der Tiere.
Würde und Wohlergehen von Tieren sind geschützt, unabhängig davon, wie viele Tiere an einem Ort gehalten werden.
Der Bund fördert zudem landwirtschaftliche Produktionsformen, die besonders naturnah, umweltund tierfreundlich sind.
Immer mehr Nutztiere leben in speziell tierfreundlichen Ställen und haben regelmässig Zugang ins Freie.
Ausgangslage Die Initiative will den Schutz der Würde von Nutztieren wie Rindern, Hühnern oder Schweinen in die Verfassung aufnehmen.
Sie will zudem die Massentierhaltung verbieten, weil dabei das Tierwohl systematisch verletzt werde.
Der Bund müsste strengere Mindestanforderungen festlegen für eine tierfreundliche Unterbringung und Pflege, den Zugang ins Freie, die Schlachtung und die maximale Gruppengrösse pro Stall.
Diese Anforderungen müssten mindestens den BioSuisse-Richtlinien von 2018 entsprechen und alle Landwirtschaftsbetriebe müssten sie bei der Tierhaltung einhalten.
Im Detail
Niemand darf einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten.
Das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren ist verboten und kann streng bestraft werden.
Der Schutz des Tieres muss in der Landwirtschaft gewährleistet sein, unabhängig davon, wie viele Tiere an einem Ort gehalten werden.
Die Verfassung schreibt zudem vor, dass Landwirtinnen und Landwirte zusätzlich unterstützt werden, wenn sie besonders naturnah, umweltund tierfreundlich produzieren.
So fördert der Bund seit über 25 Jahren eine besonders tierfreundliche Stallhaltung und den regelmässigen Auslauf ins Freie. 2020 lebten 62 Prozent der Nutztiere in einem besonders tierfreundlichen Stall, zehn Jahre früher waren es knapp 46 Prozent. 78 Prozent der Nutztiere konnten regelmässig nach draussen, zehn Jahre vorher waren es 72 Prozent.
Das Recht regelt für die Schweineund die Geflügelhaltung sowie die Kälbermast, wie viele Tiere maximal auf einem Betrieb gehalten werden dürfen (siehe Tabelle).
Beim Tierschutz steht das einzelne Tier im Fokus, das unabhängig von der Grösse eines Betriebes geschützt werden muss. 1 Je nach Tiergattung gibt es Unterschiede: 2020 hatten 85 Prozent der Rinder, 51 Prozent der Schweine und 44 Prozent des Nutzgeflügels regelmässig Auslauf. 60 Prozent der Rinder, 68 Prozent der Schweine und 94 Prozent des Nutzgeflügels lebten in einem besonders tierfreundlichen Stall.
In der Initiative ist sie definiert als «industrielle Tierhaltung zur möglichst effizienten Gewinnung tierischer Erzeugnisse, bei der das Tierwohl systematisch verletzt wird».
Forderungen der Initiative Verbot von Massentierhaltung Bei Annahme der Initiative ist der Bund verpflichtet, strengere Mindestanforderungen für eine tierfreundliche Unterbringung und Pflege, den Zugang ins Freie, die Schlachtung und die maximale Gruppengrösse je Stall festzulegen.
Lebensmittel tierischer Herkunft, die diesen nicht entsprechen, dürften nicht mehr importiert werden.
Davon betroffen wären nicht nur Produkte wie Fleisch, Eier, Milch oder Käse, sondern auch Lebensmittel wie Eierteigwaren, Backwaren oder Schokolade, die Zutaten tierischer Herkunft enthalten.
Heute stammen beispielsweise über 40 Prozent des Geflügelfleisches und der Eier aus dem Ausland.
Den Betrieben könnten Übergangsfristen bis 25 Jahre gewährt werden, etwa für bauliche Massnahmen.
Rund 3300 Betriebe müssten den Tierbestand reduzieren oder die Betriebsflächen vergrössern.
Die Kosten der Tierhaltung würden steigen; viele Betriebe müssten grosse Investitionen tätigen.
Lebensmittel wie Fleisch, Eier, Milch oder Käse wären nur noch aus Tierhaltungen mit BioStandard erhältlich, ebenso Lebensmittel mit Zutaten tierischer Herkunft.
Lebensmittel tierischer Herkunft wie auch solche mit Zutaten tierischer Herkunft dürften wegen der höheren Anforderungen teurer werden.
Die Initiative könnte zu einer Reduktion der Tierbestände und zu mehr Importen tierischer Herkunft führen.
Ammoniak ist ein Luftschadstoff, der aus den Exkrementen von Tieren in die Atmosphäre gelangt und sensible Ökosysteme schädigt.
Um die Produktion aufrechtzuerhalten, müssten die Betriebe neue Ställe bauen; das würde mehr landwirtschaftliche Nutzfläche verbrauchen.
Ein Importverbot für Produkte, die in der Tierhaltung nicht dem Bio-Standard entsprechen, würde internationale Handelsabkommen verletzen, unter anderem mit der EU.
Solche Importregelungen könnten zudem bei der Welthandelsorganisation sowie mit Staaten, mit denen die Schweiz Freihandelsabkommen abgeschlossen hat, zu Konflikten führen.
Auswirkungen für Konsumentinnen und Konsumenten Auswirkungen auf die Umwelt Auswirkungen auf internationale Abkommen 17
Empfehlungen und Argumente
Bundesrat und Parlament
Würde und Wohlergehen der Tiere sind in der Schweiz gesetzlich geschützt und immer mehr Nutztiere werden besonders tierfreundlich gehalten. Mit der generellen Verpflichtung zu Bio-Standards in der Tierhaltung geht die Initiative zu weit. Ein Importverbot für tierische Produkte, die den geforderten Standard nicht erfüllen, wäre nur mit sehr grossem Aufwand durchzusetzen. Bundesrat und Parlament empfehlen, die Vorlage insbesondere aus folgenden Gründen abzulehnen: Tierhaltung, die das Tierwohl verletzt, ist in der Schweiz verboten. Würde und Wohlergehen jedes einzelnen Tieres sind gesetzlich bereits geschützt, unabhängig davon, wie viele Tiere zusammen gehalten werden. Entscheidend ist das Wohlergehen jedes einzelnen Tieres und nicht die Anzahl Tiere pro Betrieb. Immer mehr Rinder, Schweine und Hühner leben in besonders tierfreundlichen Ställen und können regelmässig nach draussen. Landwirtinnen und Landwirte, die das Tierwohl besonders achten, werden vom Bund dafür zusätzlich unterstützt. Die Preise für Lebensmittel wie Fleisch, Milch, Käse oder Eier würden wegen der höheren Anforderungen in der Tierhaltung steigen. Wegen der höheren Preise in der Schweiz würde wahrscheinlich vermehrt im Ausland eingekauft; der Einkaufstourismus nähme zu. Auch die Betriebe, die in der Schweiz tierische Produkte verarbeiten, müssten dafür höhere Preise bezahlen. Tierwohl ist bereits gesetzlich geschützt Bund fördert tierfreundliche Haltung Höhere Preise für viele Lebensmittel Argumente Bundesrat und Parlament Die Konsumentinnen und Konsumenten wären in ihrer Wahlfreiheit stark eingeschränkt, da nur noch Produkte tierischer Herkunft erhältlich wären, die bei der Tierhaltung den Bio-Standard erfüllen.
Initiativkomitee
Die Realität für Tiere in der Massentierhaltung sieht anders aus: Trotz ihrer Leidensfähigkeit werden sie nicht als Lebewesen, sondern als Ware betrachtet. Deshalb fordert die Initiative eine tierfreundliche Unterbringung und Pflege, regelmässigen Auslauf ins Freie, reduzierte Gruppengrössen und eine schonende Schlachtung. In den letzten 20 Jahren ist der Bestand der Tiere in der Schweizer Landwirtschaft um beinahe die Hälfte gestiegen. Grundbedürfnisse nach Platz, Bewegung und Beschäftigung werden in der Massentierhaltung systematisch missachtet. Laut Bundesrat wären nur rund 5 Prozent der Betriebe von der Initiative betroffen – nämlich die industriellen Grossbetriebe, die die traditionellen Bauernhöfe zunehmend verdrängen. Betriebe, die bereits heute das Tierwohl in der Produktion über rein wirtschaftliche Interessen stellen, werden durch die Initiative gestärkt. Wird die Einfuhr minderwertiger Billigware verhindert, stärken wir damit unsere heimische Landwirtschaft. Die industrielle Tierproduktion führt zu höheren Krankheitsrisiken und einem gesteigerten Antibiotikaeinsatz. Mit dem Ausstieg aus der Massentierhaltung können wir zudem das Risiko künftiger Pandemien eindämmen. Worum geht es? Traditionelle Bauernhöfe stärken Schweizer Markt schützen Gesundheitsrisiken eindämmen Argumente Argumente Argumente Initiativkomitee Der Text auf dieser Doppelseite stammt vom Initiativkomitee. Die Schweiz importiert 1,4 Millionen Tonnen Futtermittel pro Jahr und verwendet einen Grossteil des Ackerlandes für die Produktion von Tierfutter. Indem wir Tieren konsequent Zugang auf eine Weide gewähren, werden wir unserem Bild einer nachhaltigen, tierfreundlichen Schweizer Landwirtschaft gerecht.
Unterlagen
Gesetzes- oder Initiativtext anzeigen
Endresultat ABGELEHNT
Für die Annahme ist je nach Vorlage das Volksmehr und teils das Ständemehr nötig.
Resultate
26 Kantone
Quellen: admin.ch, Fedlex und VoteInfo / BFS, automatisch importiert.
Diskussion
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